
Mit dem ersten Kind verändert sich das Haushaltseinkommen meist schneller als die Ausgaben. Elterngeld ersetzt nur einen Teil des Gehalts, viele Fixkosten laufen unverändert weiter, und einige kommen neu dazu. Wer die Lücke vorher kennt, muss sie später nicht mit dem Dispo schließen. Dieser Beitrag zeigt, wie ihr sie in vier Schritten beziffert und was ihr schon vor der Geburt regeln könnt.
Wie groß wird die Lücke wirklich?
Das Basiselterngeld beträgt in der Regel 65 Prozent des Nettoeinkommens, das der betreuende Elternteil vor der Geburt hatte – bei niedrigen Einkommen bis zu 67 Prozent. Es liegt mindestens bei 300 und höchstens bei 1.800 Euro im Monat. Für Paare, deren zu versteuerndes Einkommen zusammen über 175.000 Euro liegt, entfällt der Anspruch bei Geburten seit April 2025. Prüft die aktuellen Grenzen im Zweifel beim Familienportal des Bundes, die Zahlen werden angepasst.
Rechnet also nicht mit „ein bisschen weniger“, sondern konkret: Wer 2.400 Euro netto verdient hat, bekommt im Basiselterngeld rund 1.560 Euro. Die Differenz von etwa 840 Euro im Monat ist die Lücke – noch ohne die neuen Ausgaben.
Schritt 1: Nettoeinkommen vorher und nachher gegenüberstellen
Nehmt das Nettoeinkommen beider Partner aus den letzten zwölf Monaten und stellt daneben, was in der Elternzeit hereinkommt: Elterngeld, gegebenenfalls Teilzeitgehalt des anderen Partners, Kindergeld (Stand 2026: 259 Euro pro Kind und Monat). Das ergibt eine Zeile pro Monat der Elternzeit.
Schritt 2: Fixkosten prüfen, statt sie zu schätzen
Miete oder Rate, Nebenkosten, Versicherungen, Mobilität, Verträge. Die meisten Paare unterschätzen diese Summe um einige hundert Euro, weil Jahresbeiträge und Quartalsabbuchungen fehlen. Nehmt die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate und teilt alle Jahresbeträge durch zwölf.
Schritt 3: Die neuen Kosten realistisch ansetzen
Windeln, Kleidung, Ausstattung, später Betreuung. Die ersten Monate sind oft günstiger als befürchtet, weil viel geliehen oder geschenkt wird. Teurer wird es, wenn die Kita kommt und wenn ein Auto plötzlich zu klein ist. Plant hier eher grob, aber plant es ein.
Schritt 4: Die Lücke pro Monat und für die gesamte Elternzeit
Einnahmen minus Ausgaben ergibt die monatliche Lücke. Multipliziert mit der Zahl der Monate ergibt das den Betrag, den ihr entweder aus Rücklagen deckt, durch ElterngeldPlus streckt oder durch Teilzeit des anderen Partners verkleinert. Erst diese Zahl macht die Entscheidung über die Aufteilung der Elternzeit zu einer Rechnung statt zu einem Bauchgefühl.
Basiselterngeld oder ElterngeldPlus?
ElterngeldPlus zahlt höchstens die Hälfte des Basiselterngelds, dafür doppelt so lange. Es lohnt sich vor allem, wenn ein Elternteil während der Elternzeit in Teilzeit arbeitet, weil das Teilzeitgehalt das Elterngeld dann weniger stark kürzt. Wer gar nicht arbeitet, fährt mit dem Basiselterngeld meist besser. Die beiden Varianten lassen sich kombinieren; der Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums zeigt die Wirkung für eure Zahlen.
Was ihr schon vor der Geburt regeln könnt
- Steuerklassen prüfen: Das Elterngeld bemisst sich am Netto der zwölf Monate vor der Geburt. Ein Wechsel der Steuerklasse kann es erhöhen, muss aber rechtzeitig erfolgen – hier lohnt der Blick auf die Fristen.
- Verträge auf die neue Situation prüfen: Läuft die Berufsunfähigkeitsversicherung weiter, wenn das Einkommen sinkt? Ist der Hinterbliebenenschutz noch passend?
- Rücklage aufbauen: Die Lücke aus Schritt 4 ist der Betrag, den ein Notgroschen vor der Geburt idealerweise abdeckt.
- Anträge vorbereiten: Elterngeld, Kindergeld und Mutterschaftsgeld haben Fristen und brauchen Unterlagen, die sich im Wochenbett schwer zusammensuchen lassen.
Wo Familien in der Elternzeit typischerweise falsch abbiegen
Der häufigste Fehler ist nicht, zu wenig zu sparen, sondern die Lücke gar nicht zu beziffern. Der zweite: laufende Verträge unverändert lassen, obwohl das Einkommen für Monate sinkt. Der dritte: Rücklagen für die Elternzeit und Rücklagen für Notfälle in einem Topf führen, sodass am Ende beides fehlt. Wie ihr das trennt, steht im Beitrag zum Notgroschen für Familien.
Ihr wollt das für eure Situation durchgehen? Im kostenlosen Erstgespräch sortieren wir in etwa 20 Minuten, was bei euch zuerst dran ist – online, ohne Verpflichtung.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Elterngeld?
Das Basiselterngeld beträgt in der Regel 65 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Bei niedrigen Einkommen steigt der Satz auf bis zu 67 Prozent.
Wie lange gibt es Elterngeld?
Basiselterngeld wird bis zu zwölf Monate gezahlt, mit Partnermonaten bis zu 14. ElterngeldPlus verdoppelt die Dauer bei halbem Monatsbetrag.
Wann sollten wir mit der Planung der Elternzeit-Finanzen beginnen?
Sobald die Schwangerschaft feststeht. Steuerklassenwechsel und Rücklagenaufbau brauchen Vorlauf, und die Elterngeldhöhe hängt vom Einkommen der zwölf Monate vor der Geburt ab.