
Ein eigenes Zuhause ist für viele Familien der größte finanzielle Schritt überhaupt – und der, bei dem der Unterschied zwischen „geht gerade so“ und „passt zum Leben“ am teuersten wird. Die Frage ist nicht, welche Rate die Bank genehmigt, sondern welche Rate ihr tragen könnt, wenn ein Einkommen für zwei Jahre kleiner wird oder eine Kita mehr kostet als gedacht.
Die Faustregel – und warum sie für Familien enger ist
Häufig heißt es: Die Rate sollte höchstens 35 bis 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens ausmachen. Für Familien mit kleinen Kindern ist das oft zu großzügig, weil Betreuung, Mobilität und Rücklagen mehr Raum brauchen als bei einem Paar ohne Kinder. Rechnet lieber von der anderen Seite: Was bleibt nach allen Fixkosten, dem Sparen und einem Puffer übrig? Das ist eure tragbare Rate.
Was zur Rate dazukommt
- Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer (in Hessen 6 Prozent), Notar und Grundbuch (rund 2 Prozent), gegebenenfalls Makler. Zusammen meist 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises, die nicht in den Kredit gehören sollten.
- Bewirtschaftung: Für Instandhaltung rechnen viele mit etwa einem Prozent des Gebäudewerts im Jahr; bei älteren Häusern mehr.
- Nebenkosten: Grundsteuer, Versicherungen, Energie – bei einem Haus in der Regel höher als in der bisherigen Wohnung.
Eigenkapital: Wie viel und wofür
Je mehr Eigenkapital, desto niedriger der Zins und desto kleiner die Rate. Als Orientierung gelten die Kaufnebenkosten plus 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises. Aber: Steckt nicht den letzten Euro hinein. Ein Notgroschen von mindestens drei bis sechs Monatsausgaben muss nach dem Kauf noch da sein – Umzug, Küche und die erste Reparatur kommen sicher, nur der Zeitpunkt ist offen.
Drei Szenarien, die ihr vor der Unterschrift durchrechnen solltet
1. Elternzeit oder Teilzeit
Was passiert mit der Rate, wenn ein Einkommen für 12 bis 24 Monate auf Elterngeldniveau sinkt? Wenn die Antwort lautet, dass es dann knapp wird, ist die Rate zu hoch oder die Rücklage zu klein.
2. Zinsanstieg nach der Zinsbindung
Nach zehn oder fünfzehn Jahren bleibt eine Restschuld, die zum dann gültigen Zins weiterfinanziert wird. Rechnet mit zwei Prozentpunkten mehr und prüft, ob die Rate dann noch tragbar ist. Eine höhere Tilgung von Anfang an senkt die Restschuld und damit dieses Risiko.
3. Ausfall eines Einkommens
Bei Krankheit oder Tod eines Partners muss die Rate weiterlaufen. Dafür gibt es Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung – welche zuerst, steht im Beitrag Risikoleben oder Berufsunfähigkeit. Eine Finanzierung ohne diesen Schutz ist eine Wette auf Gesundheit.
Mieten oder kaufen?
Kaufen lohnt sich nicht automatisch. Wer in fünf Jahren wahrscheinlich umzieht, wer die Nebenkosten unterschätzt oder wer das gesamte Eigenkapital ins Haus steckt, fährt mit Miete oft besser – und flexibler. Kaufen ist dann sinnvoll, wenn Rate, Rücklage und Absicherung zusammen tragbar sind und ihr länger bleiben wollt. Wie wir diese Entscheidung mit euch ordnen, steht auf der Seite Wohnen und Immobilien für Familien.
Ihr wollt das für eure Situation durchgehen? Im kostenlosen Erstgespräch sortieren wir in etwa 20 Minuten, was bei euch zuerst dran ist – online, ohne Verpflichtung.
Häufige Fragen
Wie hoch darf die Kreditrate für eine Familie sein?
Faustregel: höchstens 35 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens. Für Familien mit kleinen Kindern eher weniger, weil Betreuung, Mobilität und Rücklagen mehr Raum brauchen. Entscheidend ist, was nach allen Fixkosten und dem Sparen übrig bleibt.
Wie viel Eigenkapital braucht man beim Hauskauf?
Mindestens die Kaufnebenkosten, also je nach Bundesland 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises, besser zusätzlich 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises. Ein Notgroschen muss nach dem Kauf erhalten bleiben.
Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?
Die Restschuld wird zum dann aktuellen Zins weiterfinanziert. Wer heute mit einem Zinsanstieg von zwei Prozentpunkten rechnet und die Rate dann noch tragen kann, ist auf der sicheren Seite.